WHITBY – allein das ist schon eine Reise wert …

Ja, es war wieder ein langer Tag heute – unterwegs von halb acht Uhr in der Früh bis 6 Uhr abends. Aber – es hat sich gelohnt!

Vielleicht fange ich einmal mit den englischen Eisenbahnen an: Bis in die 90-er Jahre gab es – so wie bei uns die ÖBB – die verstaatliche „British Rail“. Nach und nach wurde alles privatisiert, sodass es heute fast 30 (!!!) Bahngesellschaften gibt, welche die verschiedenen Landesteile befahren. Zug fahren ist hierzulande sehr teuer, viele Züge unpünktlich, Zugausfälle sind an der Tagesordnung aber vielleicht das Schlimmste – bes. in der heutigen Zeit – sehr viele (auch Schnellzüge) fahren immer noch mit Dieselantrieb. In den Bahnhöfen – die ja architektonisch wunderbar sind – stinkt es oftmals sehr, sehr grenzwertig nach Abgasen!

Die Zugfahrt von Leeds nach Scarborough dauerte ca eineinhalb Stunden. Danach ging’s noch eine Stunde weiter mit dem Bus in Richtung Whitby. Im Rahmen eines Hilfsprogramms zahlt man (voraussichtlich befristet bis Ende Juni) derzeit pro einfacher Fahrt lediglich 2 Pfund – super. Es muss allerdings gesagt werden, dass die meisten Busse bei weitem nicht den Standard aufweisen, den wir gewohnt sind. – Es tscheppert, es klappert, beim Bergauf-fahren würde man dem Bus ohne Problem davonlaufen und der Sitzkomfort ist so was von katastrophal. Apropos Bergauffahren: Dass die Engländer spinnen, ist ja ein alter Hut (vielleicht bin ich deshalb so gerne da). Verwunderlich ist es halt schon, dass sie an Steigungsstrecken alle 50 – 100 m Behälter mit Salz am Straßenrand aufstellen. Da wird dann die Straßenmeisterei im Winter wahrscheinlich immer wieder ein Händchen voll Salz nehmen und dieses aussäen.

Die Strecke von Scarborough nach Whitby (nicht ganz 40 km, Fahrtzeit mit dem Bus: eine Stunde) ist landschaftlich wunderschön: Es geht immer wieder auf und ab (die stärkste Steigung hab ich mit 25 % angeschrieben gesehen – zum Vergleich: Der Zirler Berg hat 16), Fanatiker enger Kurven kommen voll auf ihre Rechnung und die kleinen Dörfchen, die man durchfährt, lassen einen zwischendurch meinen, man sei am Ende der Welt und der Zivilisation angelangt.

Noch ein nettes Erlebnis: Der ältere Herr im Bus hinter mir hat wohl mitbekommen, dass ich während der Fahrt einige Fotos gemacht habe. Kurz vor Whitby hat er mir auf die Schulter geklopft und nach rechts gezeigt – da war nämlich erstmals die Ruine zu erkennen. Ich meinte, dass ich da eh hin möchte und wollte wissen, an welcher Bushaltestelle ich am besten aussteigen sollte. Er sagte nur: „The same as I“, und ging dann von der Haltestelle noch ca. 200 m mit mir, um mir das Städchen zu erklären und den Weg zur Abbey zu zeigen. – Das sind halt diese Kleinigkeiten, die ich seit meinem ersten Englandaufenthalt 1974 in diesem Land immer und immer wieder so sehr schätze! *)

Das Hafenstädtchen Whitby mit seinen etwas mehr als 10.000 Einwohnern hat sich ganz dem Fremdenverkehr verschrieben. Trotzdem ist der Ortskern von fürchterlichen Neubauten verschont geblieben und zeigt sich vielerorts noch „wie damals“. 199 Stufen sind es hinauf bis zur Kirche und der dahinter liegenden Whitby Abbey. Ein Zeugnis der Geschichte, ein Wahnsinn! Man steht mit offenen Augen und offenem Mund da und lässt diesen Monumentalbau auf sich wirken! – Schon vor 800 Jahren wurde diese ehemalige Kathedrale erbaut, um dann (diejenigen, die mit mir schon in England waren, wissen es vielleicht) vom König Heinrich VIII, so wie hunderte andere Klöster und Kirchen auch, aufgelassen oder gar zerstört zu werden.

*) Noch ein kleines P. S.: Ich habe heute so viele Fotos und Videos gemacht, dass mein Handy bei der Rückkehr zum Bahnhof Scarborough fast „dead“ (so sagen es die Engländer) war. Nachdem u. a. (wie schon vor ein paar Tagen erwähnt) alle Interrail-Daten am Handy sind und man es pro Fahrt mindestens drei Mal benötigt (vor dem Einsteigen, beim Schaffner, nach dem Verlassen des Zuges) habe ich der Dame am Ticketschalter mein Leid geklagt. Die hat dann mein Handy genommen, mindestens 6 oder 7 verschiedene Kabel von unterhalb ihres Tisches herausgeklaubt und gemeint ich solle grad eine Viertel Stunde vor der Abfahrt meines Zuges wieder kommen – da war es dann wieder genügend aufgeladen — sind das nicht wahrlich schöne Gesten?

Zum heutigen Abschluss ist es mir ein Bedürfnis, mich einmal bei meiner Famile zu bedanken. DANKE sagen, dass sie es mir ermöglicht hat, diese wunderbare Reise in Angriff zu nehmen, DANKE sagen, dass ich so viele wunderschöne Dinge sehen und erleben darf – ich weiß das sehr zu schätzen!

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