EDINBURGH, die „Perle“ des Nordens

Eigentlich müsste ich ja einmal ein paar Tage nur in der Unterkunft bleiben um all das verarbeiten zu können, was da an unglaublichen Eindrücken schon in relativ kurzer Zeit auf mich hereinprasselt …

Um 20 nach 7 Abmarsch zur Bushaltestelle – hin zum Bahnhof – drei Stunden Zug – drei Stunden „intensiver“ Aufenthalt in Edinburgh – Rückkehr um 20 Uhr. – Anstrengend? – Mag sein, aber das wird mir keineswegs bewusst! Außerdem wäre ich ja schon 2 1/2 Stunden früher zurück gewesen, wäre nicht 10 Minuten vor meiner (geplanten) Abfahrt in Edinburgh ein Zwischenfall auf der Strecke knapp außerhalb des Bahnhofs passiert, sodass die längste Zeit einmal gar nichts ging. – Kein Problem, wenn das Wetter so halbwegs mitspielt. Kommt nämlich – so wie heute – kurz vor der Ankunft in Edinburgh die Sonne heraus, dann ist der Tag eh schon gerettet.

Wieder einmal ein nettes Erlebnis: Nachdem mich der Angestellte, der mit dem Servierwagen durch den Zug ging gefragt hatte, wohín ich fahren würde, meinte er, ich müsse mich ab Alnmouth unbedingt auf die andere Seite des Zuges setzen, da hätte man einen wunderbaren Ausblick direkt aufs Meer. Und auch bei der Retourfahrt wieder: Ein Ehepaar, das mir gegenüber saß, machte mich immer wieder früh genug drauf aufmerksam, wann auf welcher Seite ein Schloss, eine Kathedrale oder sonst was Interessantes zu sehen sein würde – schaue ich wirklich wie ein typischer Tourist aus???

Noch ein Nachtrag zu den Zügen: Bedingt durch den oben erwähnten Zwischen-fall reiste ich in der Früh mit „Cross Country Trains“, auf der Retourfahrt jedoch mit „LNER“ (London North Eastern Railway). Eine Fahrt von Edinburgh nach London (ähnliche Fahrzeit wie Innsbruck – Wien) kostet in der 2. Klasse umgerechnet ab ca. 80 Euro, wobei jeder Zug einen anderen Fahrpreis – je nach Tageszeit – hat. In der 1. Klasse würde man ab ca. 150 Euro (!!) berappen. Zurück-kommend auf die in vielen Zügen verwendeten Dieselmotoren: Die werden schon ewig vor der Abfahrt eines Zuges eingeschaltet, laufen auch bei längerem Aufenthalt ohne Unterbrechung weiter und brummen noch lange nach Ankuft in der Endstation vor sich hin.

Aber das nur so nebenbei … Edinburgh sollte ja das wichtigste Thema sein. Nach ca. 400 Bahnkilometern (ab Leeds) steigt man in E.-Waverly aus, geht aus dem Bahnhof hinaus und es trifft einen (im positiven Sinne) wie eine Keule: Man erblickt linkerhand das Edinburgh Castle, rechts steht man nach wenigen Schritten vor dem Scott Monument. Dieses ist dem schottischen Autor Sir Walter Scott gewidmet und das weltweit zweitgrößte Monument, welches man je einem Schriftsteller zu Ehren erbaut hat (über 60 m). Der Bahnhof Waverly hat seinen Namen übrigens nach einer Novelle von Scott!

Die gewaltige Festung Edinburgh Castle zieht mehr Touristen an als irgend eine andere Sehenswürdigkeit Schottlands. Abgesehen von der historischen Vergangenheit dieses viele Jahrhunderte alten Bauwerks ist es alljährlich Schauplatz des farbenprächtigen „Military Tattoo“ – heuer vom 4. – 26. August. Eine Zusammenfassung dieses Spektakels wird von irgend einem deutschen Fernsehsender jeden August ausgestrahlt.

Vom oben erwähnten Scott-Denkmal erreicht man in einem halbstündigen Fußmarsch den Calton Hill, am östlichen Ende der Prachtstraße „Princes Street“. Des nächtens allerdings mit einem zwielichtigen Ruf behaftet, hat man (auch wenn es ziemlich diesig ist) einen schönen Blick auf Edinburgh, seine Denkmäler und Stadtteile. Ähnlich wie in London steht auch hier heroben ein Nelson-Monument sowie weitere, z. T. architektonisch interessante Gebäude.

Schon 4 Tage in England, aber noch nie von einem pub gesprochen bzw. geschrieben? – Nein, das kanns beim besten Willen nicht sein. Diese urbritische Tradition läuft allerdings fast Gefahr, früher oder später von der Bildfläche zu verschwinden. Alleine im vergangenen Jahr haben pro Monat, wohlgemerkt, mehr als 30 Pubs in Großbritannien für immer geschlossen, Monat für Monat. In den vergangenen 5 Jahren haben gar mehr als 2600 pubs dicht gemacht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Corona hat sicherlich eine Rolle gespielt, die steigenden Energie- und Großhandelspreise sowie das Nachlassen der Kundenfrequenz ebenso. Zudem fallen bei Speisen und Getränken in pubs wesentlich höhere Steuern an als wenn man diese Dinge im Supermarkt kauft. – Übrigens: Die meisten pubs gehören nicht Privatpersonen, sondern den Brauereien. So gibt es 6 solche Brauereien, die jeweils mehr als 1000 pubs besitzen und diese vermieten. – Das Foto zeigt ein pub in Edinburgh, das man sehr gelungen in ein altes Gebäude integriert hat – eher typisch für den städtischen Bereich.

Solltest du bis hierher durchgehalten haben, bedanke ich mich für dein Interesse. Morgen – soferne das Wetter halbwegs mitspielt – lasse ich zur Abwechslung einmal Städte und große Dörfer hinter mir und begebe mich per Bahn und Bus in die „Yorkshire Dales“, einen Nationalpark ca. 70 km nordwestlich von Leeds — see you and – have a nice Sunday!

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