NOCH schöner wäre nicht aushaltbar: Yorkshire Dales National Park

Normalerweise sollte man am Sonntag ja „ruhen“ – davon will ich allerdings – zumindest jetzt – noch nichts wissen. Heute waren es zwar nur 9 Stunden, die ich unterwegs war – die haben’s allerdings in sich gehabt.

Kurz nach 9 ging’s mit NORTHERN zuerst nach Ilkley. Dass der Schaffner noch nie einen mobilen Interrail-Pass gesehen hat, wundert mich nicht: Passagier-frequenz (zumindest an einem Sonntag) fast Null. Typisch dann wieder der ältere Herr an der Endstation: Auf meine Frage, wo welche Busse wegfahren würden düste er aus seinem Büro heraus, rund ums Gebäude herum und ging mit mir vor den Bahnhof hinaus, um von einem wartenden Busfahrer die gewünschten Informationen zu erfahren.

Da ich bis zur Abfahrt des Busses nach GRASSINGTON eine halbe Stunde Zeit hatte, schlenderte ich ein wenig durch den Ort und kam an einer Kirche vorbei. Dass mir eine Dame die Türe öffnete war ja schon einigermaßen verwunderlich. Als ich dann aber in den 1. Stock (!!!) ging, waren gerade die Vorbereitungen für die 10:15 Uhr-Messe im Gange. Die Pfarrerin (Methodist Church) stürmte auf mich zu, begrüßte mich und erklärte mir alle Vorgänge. Leider reichen Platz und Zeit nicht aus, näher auf Einzelheiten einzugehen aber die Leute dort waren phänomenal: Ich wurde von allen gegrüßt, z. T. per Handschlag und jeder wollte mir gleich dies und das erzählen bzw. erläutern. Leider musste ich zum Bus – wäre gerne viel länger geblieben.

Die 3/4-stündige Busfahrt war ebenso eindrucksvoll. Obwohl dieses Gebiet ein Touristenmagnet ist, hat man – im Gegensatz zu uns – die Straßen NICHT größenwahnsinnig erweitert. Nein, sie sind noch wie vor Jahrzehnten: Kilometer-lange Steinmauern links und recht, z. T. äußerst schmal, unzählige Male musste der Bus oder der Gegenverkehr stehen bleiben, weil zwei Fahrzeuge nicht aneinander vorbeifahren konnten – interessanterweise alles ohne Probleme. Der Busfahrer hat nicht einmal gejammert, als er zwei Mal den Außenpiegel auf seiner Seite abmontieren musste (!), um zu „schliafn“. – Da könnte man in Tirol in vielen Beziehungen noch sehr viel lernen …

In Grassington angekommen erklärte er mir noch, wo die schönsten Plätze seien; aber auch der Herr, der hinter mir ausstieg, meinte, ich müsse noch unbedingt in Richtung Fluss gehen, dort sei es so wunderschön (er hatte übrigens Recht!).

Diese Dörfchen mit etwas mehr als 1000 Einwohnern ist ebenfalls ein Anziehungspunkt für Touristen, aber – man stelle sich vor – fast 100 % der Gebäude sind noch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten – so kann man es halt auch machen …

Zur Feier des Tages gab’s heute ein typisches „Sunday Roast“: Schweinefleisch mit Yorkshire Pudding (bitte bei google nachlesen), Kartoffeln, Püree, Gemüse und sonstiges Grünzeug – z. T. unter dem Fleisch versteckt. – Ausgezeichnet – nicht nur das Essen sondern auch das pub.

Die Sonntagsfahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel in diesem Land sind äußerst ausgedünnt, manche Buslinien fahren überhaupt nicht. Gerade einmal drei Busse fahren auf der oben genannten Strecke. Trotzdem schaffte ich es, meine Rückfahrt von Grassington nach Ilkley noch zu unterbrechen. Ich wollte unbedingt die BOLTON ABBEY sehen, denn da war ich schon 1974 (ebenfalls mit Interrail). Und ich war noch mehr beeindruckt als damals (Alter? Reife?). Auch diese (fast 900 Jahre alte) ehemalige Kathedrale wurde vom selben Schicksal ereilt, wie die vorgestern von mir besuchte Whitby Abbey. Ein Teil wurde jedoch gut restauriert und dient auch heute noch als Kirche, der größere Teil allerdings ist dem Verfall preisgegeben.

Dass ich mit den Besitzern des nebenan liegenden Gutshauses ins Gespräch kam, war dem Zufall zu verdanken. Ich erfuhr aber viele Einzelheiten über das Leben in diesen alten Gemäuern, die immerhin auch schon mehr als 300 Jahre auf dem Buckel hatten (die Gemäuer, wohlgemerkt, nicht deren Bewohner).

Es gäbe noch sooo viel zu erzählen, vielleicht ein Detail am Rande noch: In jedem Linienbus und fast in jedem Zugwaggon steht zumindest ein ausgewiesenen Platz für Rollstuhlfahrer bereit. Überhaupt sind die Engländer in Bezug auf Behindertengerechtigkeit schon seit Jahrzehnten Vorreiter – überall gibt es Lifte, überall steht ein Schild, wo man sich hinwenden kann usw. – Auch wieder eine Tatsache, die dieses Land und seine Bewohner so sympathisch machen … Wish you a nice week!

Hinterlasse einen Kommentar