OBAN – einfach wunderschön

Warum nimmt man insgesamt 4 Stunden Hinfahrt und 4 Stunden Rückfahrt so mir nix, dir nix auf sich? Entweder weil man total übergeschnappt ist, oder aber weil einen etwas Besonderes erwartet. – Und OBAN ist (wieder einmal) etwas Besonderes!

Die Hin- bzw. Rückfahrt vom Bahnhof Queen Street in Glasgow birgt landschaftlich sehr reizende Ausblicke, weniger reizend allerdings sind die über 6 Stunden dauernden Reize fürs Trommelfell: dadig-dadag, dadig-dadag, dadig-dadag …. im 2. Teil meiner Audio-Aufnahme dürfte der Zug bereits so um die 60 km/h dahingebrettert sein.

Schnell ist was anderes, denn 3 Stunden für ca. 160 km Bahnlinie sagt eh schon alles. Aber Tempo geht da natürlich nicht, denn so enge Kurvenradien habe ich noch nie gesehen, die gibts nicht einmal bei der Zillertalbahn.

Ich wurde dann aber für alles entschädigt, denn wenn man in Glasgow bei sehr trübem Wetter weg fährt und in Oban bei blitzblauem Himmel ankommt – Herz, was willst du mehr?

Diese Ortschaft mit ca. 9000 Einwohnern liegt am westlichen Ende der West Highland Line. Vorgelagert sind hunderte, wenn nicht tausende kleinere und größere Inseln, die meisten davon bewohnt. Alleine 8 dieser Inseln werden von Oban aus mit Fähren der schottischen Gesellschaft Caledonian MacBrayne angefahren.

OBAN ist eine touristisch geprägter Ort, wiewohl nicht Badeort – weitläufige Strände sucht man hier vergebens. Was man sehr wohl findet ist der „McCaig´s Tower“. Dieses Ungetüm mit einem Umfang von 200 Metern wurde vor 130 Jahren von einem wohlhabenden Bankier als Andenken an seine Familie in Auftrag gegeben. Der soziale Hintergedanke: Er konnte dadurch die Winterarbeitslosigkeit von vielen Männern auf Jahre hinaus eindämmen. Leider ist dieses Denkmal in der Zwischenzeit teilweise zugewachsen, eine betagte Dame hat mir erklärt, dass das Council kein Geld mehr hätte, um Bäume und Sträucher zu schneiden. Trotzdem bieten sich spektakuläre Ausblicke auf Oban und die Umgebung.

Um euch nicht zu nerven, zeige ich euch heute keine Nahaufnahmen der Kathedrale, wiewohl ich natürlich dort und drinnen war. Aber was glaubt ihr wohl, warum ich doch relativ oft wunderschönes (wenn auch kühles) Wetter genießen durfte und darf?

Dafür noch ein paar Eindrücke, die ich sonst noch gewonnen habe:

Also, einen logistischen Fehler habe ich schon einsehen müssen: Um die schottischen Highlands näher erkunden zu können, eignet sich Glasgow nicht als „Stützpunkt“. Zu lange dauert es, um z. B. nach Thurso ganz im Norden (Fahrtzeit pro Strecke über 7 Stunden) oder auf die Insel Skye (zw. 6 und 7 Stunden) zu gelangen. Das Nächste: Morgen findet das Fußballderby zw. Glasgow Rangers und Celtic Glasgow statt. Anpfiff schon um 12:30 Uhr, damit sich die Hooligans vorher nicht zu sehr besaufen können. Ab 18:00 Uhr müssen alle pubs in Glasgow schließen, so erzählte mir zumindest ein Taxifahrer. Der hat übrigens gemeint, ich solle mich morgen eher nicht dort aufhalten. Aber was soll ich tun, wenn ich nur von Glasgow Central oder Glasgow Queen Street irgendwo hin komme? – Sollte es also morgen abends bzw. übermorgen in der Früh keinen Blog geben, dann bin ich wohl in die Fänge der Hooligans gekommen …

Aber das wird schon passen, denn … übermorgen, am Sonntag wartet ein weiteres absolutes Highlight: Die ersten „Highland Games“ der neuen Saison finden in der Nähe von Glasgow statt und das lasse ich mir sicherlich nicht entgehen!

2 Antworten zu „OBAN – einfach wunderschön”.

  1. Wunderschön – am liebsten würde ich meinen Rucksack packen und ab nach Oban 🙂
    Aber sag – findest du es nicht schade, dass du nur so kurz an diesen schönen Orten bist? Freilich, die ganze Bandbreite der Reise würde sonst nicht gelingen..
    Ich bin mir sicher, dass du von diesen vielen Eindrücken noch lange zehren wirst ! Allerdings glaube ich auch, dass du diese erst nach und nach wirklich verarbeiten wirst – so ging es mir jedenfalls nach meiner ersten und sehr beeindruckenden Reise 2013 nach Amerika… aber so hat man länger was davon 😉
    Weiterhin alles Gute – und die Hooligans werden sich morgen sicher nicht mit einem Reinhard from Silz anlegen 🙂 🙂 🙂

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    1. Mit dem letzten Satz hast Du nicht ganz recht – habe in den 70-er Jahren nicht nur einmal fürchterliche Angst gehabt. — Natürlich hätte es auch Vorteile, jeweils ein bisschen länger zu bleiben. Allerdings kann es sein, dass man sich dann in Kleinigkeiten verliert. Ich versuche trotz der manchmal knapp bemessenen Zeit, das Wichtigste herauszuholen und trotzdem den Blick auf Besonderheiten und Interessantes nicht zu verlieren. — Vielen Dank für die lieben Wünsche …

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