Ja, es war ein langer, ein sehr langer Tag! Tagwache um 05:00 Uhr, Taxi um 05:30 Uhr, pünktliche Abfahrt in Richtung Madrid: 05:48 Uhr. Ich bin dann bald draufgekommen, warum diese Fahrt um mehr als eine Stunde länger gedauert hat, als Madrid – Salamanca am Vortag. Nicht, weil der Zug viel öfter stehen geblieben wäre, er hat eine andere Strecke befahren.
Bei der Abfahrt wars noch stockdunkel, hier wird es erst um halb 7 so langsam hell.

Die Fahrt am Donnerstag ließ den Begriff „meseta“ so richtig erahnen: Eine riesige, Hochebene, kein Hügel, soweit das Auge reicht. Ganz anders bei der Retourfahrt heute in der Früh – da gabs dann wieder eine ganz andere Landschaft, z. T. hing nach dem Regen in der Nacht sogar der Nebel herum wie bei uns im Herbst.


Das Umsteigen in Madrid hat auch heute wieder tadellos funktioniert. Man könnte auch mit der Metro zwischen den beiden Hauptbahnhöfen hin un her pendeln, viel einfacher geht es aber mit der innerhalb der Stadtgrenzen größtenteils unterirdisch geführten Schnellbahn („Cercanias“). Ich musste nach meiner Ankunft nicht einmal den Bahnsteig wechseln, der übernächste Zug brachte mich in kürzester Zeit zum Bahnhof Madrid Atocha. – Übrigens im Doppelstockwagen mit Platz für fast 200 Personen pro Waggon!

Sodann mit dem Superschnellzug AVE in etwas mehr als einer Stunde in das ca. 280 Kilometer entfernte Zaragoza. Natürlich werden die Fotos bei derartigen Geschwindigkeiten qualitativ nicht bes. gut, trotzdem möchte ich euch ein bisschen Einblick in die abwechslungsreiche Landschaft geben – z. T äußerst fruchtbar, z. T. komplettes Ödland.





Die Ankunft in Zaragoza hat mich irgendwie an Antequera Santa Ana erinnert. Ein unglaublich riesiger Bahnhof (sicher 4 – 500 m lang) ohne Atmosphäre. Natürlich hat die spanische RENFE in den vergangenen 10, 20, 25 Jahren super Arbeit geleistet und ein modernes Hochgeschwindigkeitsnetz auf- und ausgebaut, aber die (neuen) Bahnhöfe sind – meinem Gefühl nach – eine Katastrophe – zweckmäßig aber schiach.

Womit wir endlich in der Hauptstadt der Region Aragonien wären. Immerhin hat Zaragoza fast 700.000 Einwohner. Ich bin am Nachmittag und frühen Abend fast fünf Stunden kreuz und quer herumgegangen bzw. (mit der Straßenbahn) gefahren. Viele, viele wunderschöne Gebäude mit einer z. T. ewig langen Geschichte, aber gegen Salamanca kommt Z. meiner bescheidenen Meinung nach NICHT auf.






Dann noch die Hl. Engracia in Discobeleuchung und das Taufbecken mit integriertem Springbrunnen ….


Auch das kulinarische darf natürlich nicht zu kurz kommen, heute war wieder ein „Ensaladilla“ (normalerweise mit dem Zusatz „rusa“) angesagt. Schaut jedes Mal anders aus, wird manchesmal mit mehr Kartoffeln, dann wieder mit mehr Gemüse oder wie heute mit viel Thunfisch und Ei gemacht und schmeckt einfach – gut!


So — und nun vom Essen zu ganz was ganz Anderem:
Ich merke langsam, dass irgendwie „die Luft heraußen ist“. Das hat sicherlich damit zu tun, dass mir meine Familie schon sehr abgeht. Heute, am 54. Tag meiner Interrail-Reise kommt mir erstmals vor, dass ich nicht mehr den „Biss“ habe, den ich jeden Tag noch mehr verspürte. Ich habe nicht mehr den Blick „fürs Schöne“, der mich wochenlang getrieben hat, noch ein Stückchen weiter, noch um eine Ecke und noch mehr Stufen nach oben zu gehen. Eure vielen Kommentare auf den verschiedensten Kanälen waren immer wieder Ansporn und haben mich unheimlich gefreut.
Vielleicht ist aber auch meine Aufnahmekapazität erschöpft. So wie Sportler immer wieder meinen, sie müssten irgend etwas erst „verkraften“ und „realisieren“, so habe ich mit Schrecken festgestellt, dass mein Herz, mein Hirn und meine Gedankenwelt wahrscheinlich voll sind – und zwar die Teile davon, die für Neues und Schönes reserviert sind. Ist diese – meine Aufnahmekapazität – erschöpft, geht nichts Zusätzliches mehr?
Und – wie gesagt – auch wenn ich mit Daniela zwischendurch 10 wunderschöne Tage verbringen durfte und es sicherlich noch viel, viel zu entdecken gäbe, ich weiß, wo meine Wurzeln sind, wo ich hin gehöre.
Diese Gedanken werden nicht der Schlusspunkt des Projekts INTERRAIL sein – zudem bin ich einige Erklärungen schuldig, die ich euch im Laufe der Zeit versprochen habe, außerdem gibts auch lustige Fotos, die ich seit 17. April geschossen habe – das kommt dann auch noch …

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