Da fährt man am 19. April aus dem verschneiten Tirol los, um im Süden mit etwas dünnerer Kleidung auszukommen – und wie schaut die Wirklichkeit aus???

Es ist ja kaum zu glauben, aber wenn es in Spanien schon kälter ist als in Silz, na dann gute Nacht. Zur Rechtfertigung: Avila liegt auf über 1100 m Seehöhe und ist damit die höchstgelegene Provinzhauptstadt Spaniens.
Schon im Begriffe, meinen dicken Jangger anzuziehen (den ich allerdings für ein anderes Land gedacht hatte – vlt. gehts ja noch nach Kasachstan?) habe ich mich gottseidank doch für die dünnere Variante entschieden und das war richtig so. Es wäre dann doch ein wenig verwegen gewesen, wäre ich bei wunderschönem Sonnen-schein auf der avilasischen Stadtmauer herumspaziert. Ja O. K., es war zeitweise ein bisschen windig aber ein echter Tiroler hält das schon aus.
AVILA – hauptsächlich bekannt wegen der vollkommen erhaltenen Stadtmauer, und auch deshalb seit den 80-er Jahren Weltkulturerbe. Selbstverständlich sollte allen Anhängern des röm.-kath. Glaubens die Hl. Theresa von Avila ein Begriff sein, die hier geboren wurde und gelebt hat. Ihr begegnet man auf Schritt und Tritt – es gibt Theresa-Cafes, Theresa-Buchläden, Theresa-Restaurants, Theresa-Kirchen, Theresa-Statuen, Theresa-Straßen, Theresa mit R. H. usw.



Nun – heute gibts relativ viel Kultur, aber ich bin ja nicht zum Autodrom-Fahren nach Spanien gereist …
Ein paar Facts zur Stadtmauer: Im 12. Jhdt. erbaut, erstreckt sie sich über eine Länge von insgesamt 2,6 Kilometern und umschließt damit die gesamte Altstadt. 1,7 km davon sind begehbar (hab ich natürlich gemacht) der Rest schaut so aus:

Die Durchschnittshöhe beträgt 12 Meter, sie ist drei Meter breit und hat fast 90 Türme (ca. 30 davon habe ich auch erklommen), 2500 Zinnen und 9 große Tore. Die Mauer umfasst ein Gebiet von 33 ha (Größenvergleich: Silz incl. Kühtai hat eine Größe von ca. 65 qkm). Irgendwie wird man fast fanatisch, denn alle paar Meter eröffnen sich neue Ausblicke. Es ist deshalb sehr schwer für mich, von ungefähr 90 Fotos einige auszuwählen und hier zu präsentieren:






Was gabs sonst noch? – In einer der Kirchen, die ich besuchte, hatte ich den Pfarrer für mich ganz alleine – kein Mensch, nur er und der R. H. de Austria. Der hielt seine „Stille Messe“, ich kam allerdings erst bei der Kommunion, die er halt sich alleine austeilen musste. Nach dem Segen (mich hat er vermutlich nicht wahrgenommen, denn er hat lediglich ein Kreuzzeichen gemacht, mich hat er ausgelassen) packte er seelenruhig seine Sachen zusammen und verschwand in Richtung Sakristei. — Entschuldigt bitte, dass ich während der Hl. Messe ein Foto gemacht habe – ich war mir zeitweise nicht mehr ganz sicher, ob ich nicht irrtümlich in der Gefängnis-Kirche von Avila gelandet war …

Abschließend noch ein paar Eindrücke aus der Kathedrale von Avila, ein Bauwerk unvorstellbaren Ausmaßes. Als erste gotische Kathe-drale in Spanien wurde sie – so wie die Stadtmauer – im 12. Jhdt. begonnen, aber erst 200 Jahre später fertiggestellt. Im 18. Jhdt. ist man dann plötzlich draufgekommen (nachdem das Werkl ja schon 400 Jahre lang unbeschadet überstanden hat), dass die Statik auf Dauer nicht halten kann und so wurden jede Menge „Unter-stützungsbögen“ (zu sehen im 4. und 5. Bild) hinzugefügt. Übrigens: Ein Teil der Kathedrale ist in die Stadtmauer integriert.






Kleines Resümee zu Avila: Eine sehenswerte, überwältigende Stadtmauer, innen drinnen eine Altstadt mit unzähligen wunder-schönen Gebäuden aber auch „Leerlauf“. Bewegt man sich jedoch außerhalb dieser Mauern – dann gibt es schon schönere Städte, die ich gesehen habe … sorry!
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