Ja, zumindest eine Zeitlang hatte es so den Anschein. – Vorerst aber noch die genauen Kontrollen am Bahnhof Segovia (so wie bei allen großen Bahnhöfen, von denen die Hochgeschwindigkeitszüge der RENFE abfahren): Koffer aufs Förderband; Geld, Gürtel und Jacke in die Plastikschachtel.

Dann weiter zum Bahnsteig, Zug kommt, ich steige ein und suche im Waggon #2 meinen Sitzplatz. Bin schon in der Mitte des Waggons, als ich sehe, dass ich bei der Kofferablage schon vorbei bin. Also löse ich meine schwarze Laptop-Tasche vom Koffer und stelle sie so mir-nix-dir-nix auf den freien Sitz neben mir um mit dem Koffer zurück zu gehen. Neben diesem freien Sitz befindet sich eine ca. 50-jährige Amerikanerin. Die springt in dem Moment, als ich die Tasche hinstelle auf, fängt an zu schreien und läuft mit gellenden „help, help“-Rufen durch den ganzen Waggon. Alle Augen sind abwechselnd auf die brüllende Ami-Dame und auf mich gerichtet. Hab ich was getan? Glaubt die, ich habe eine Bombe in der schwarzen Tasche?
Ich jedenfalls habe versucht, so unschuldig wie nur möglich dreinzu-schauen (bin ich ja auch), als die AD wieder zurück kommt, zwei Meter vor mir stehen bleibt, sich umdreht und wieder brüllend und gestikulierend durch den Waggon läuft. Dann war sie weg. – Ich habe in aller Ruhe meinen Sitzplatz gesucht (wohl merkend, dass mich die restlichen Passagiere von allen Seiten begutachteten). Nach wenigen Minuten kam sie wieder daher, hat allerdings beim Vorbeigehen demonstrativ auf die andere Seite geschaut und zum guten Glück nicht mehr gebrüllt.
Was würdest DU dir in einem solchen Fall denken? Ich jedenfalls war dann im nächsten Halt (Madrid) äußerst erleichtert als die AD folgendes Spektakel aufführte: Sie wollte aussteigen (oder auch nicht?), blieb plötzlich stehen und deutete auf einen Mann, der mit einem kleinen Transportwagen am Bahnsteig stand. Gleichzeitig fing sie wieder an zu brüllen. Ein Zugbegleiter eilte herbei, fragte sie mehrmals, was sie wolle, musste aber unverrichteter Dinge wieder weggehen, da die AD ununterbrochen brüllte und ihn anschrie: „go away, go away“. – Spätestens jetzt war ich mir dann 100 %-ig sicher, KEIN Terrorist zu sein, sondern ich hatte es „nur“ mit einer geistig verwirrten Person zu tun (die übrigens mindestens 10 verschieden-farbige Rosenkränze um den Hals hängen hatte).
Eigentlich muss ich dieser Person ja fast dankbar sein, denn worüber hätte ich euch heute sonst berichtet? Hab nix angeschaut, bin nirgends hingegangen, keine Tapas gegessen und — keine einzige Kirche gesehen, nicht von außen, geschweige denn von innen. Nur Zug-gefahren und so. „Gelandet“ bin ich schließlich in ALBACETE. Das Hotel hab ich ja super ausgesucht, bin richtig stolz auf mich: Liegt ca. 7 km vom Bahnhof entfernt in einer Gegend, wo es im Umkreis von gefühlten 100 Kilometern nichts aber schon auch gar nichts gibt. Zu allem Überfluss ausschließlich per Taxi erreichbar – na bravo! Jedenfalls werde ich morgen in der Früh ein „solchniges“ rufen und mich in der Stadt umsehen.
Hasta manana! – Und: brauchts keine Angst vor mir zu haben!!!

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