CONWY/Wales – eine mehrstündige Zugfahrt wert!

Ja, um viertel nach 7 in der Früh habe ich das Hotel verlassen, zu-rückgekommen bin ich ganze 12 1/2 Stunden später – aber, es hat sich gelohnt! Schon im letzten Jahr ist mir am Weg nach Llandudno (Standseilbahn und so) in der Ferne ein Schloss aufgefallen, von dem ich mir gedacht habe: „Das muss ich mir einmal anschauen.“

Bei der Gelegenheit seien mir zwei Bemerkungen erlaubt: Außer Aylesbury (da muss ich aus bekannten Gründen halt einfach hin) und natürlich London, gibt es keine einzige Stadt, keinen Ort, die/den ich heuer wieder besuche. Im Laufe der letzten Monate habe ich auf diversen Kanälen derartig viel gesehen und gelesen, dass ich wahrscheinlich ein Jahr lang da bleiben und immer wieder etwas Anderes bzw. etwas Neues erleben könnte. — Bemerkung #2: Irgendwie steht nach INTERRAIL 1975 auch wieder einmal Norwegen auf meiner „to do“ Liste, kurzfristig habe ich es auch in Erwägung gezogen, mich letzten Endes aber doch dagegen entschieden. In den vergangenen Wochen haben mich viele Leute gefragt, warum ich denn wieder nach Spanien und England fahren will. Also – in Spanien kann man günstig leben, in England kann ich relativ gut kommunizieren, für Norwegen hätte ich jedoch eine Schneeschaufel gebraucht, siehe https://worldcams.tv/norway/finse/railroad-station Alles klar?

Sodala – zurück nach CONWY. Abgesehen davon, dass es ein sehr liebliches 14.000-Seelen Städtchen ist, sind hier 4 Dinge wichtig: Das wunderbare Conwy Castle, ein fast 900 Jahre alter Monumentalbau mit der noch voll erhaltenen, fast 1,5 km langen Wehrmauer; dann das (nun aber wirklich) kleinste Haus Großbritanniens; die berühmte Hängebrücke und schließlich der Tourismus. Dieses Wochenende haben die Briten ja wieder einmal ein bank-holiday-weekend, d. h., der Montag ist frei. Das bewirkt jedes mal eine innerbritische Völkerwanderung mit hunderten Kilometer langen Staus, gesteckt vollen Zügen (konnte heute ein Lied davon singen) und stundenlangen Wartezeiten am Fährhafen Dover – gar nicht zu sprechen von den kollektiven Besäufnissen landauf-landab (und das meine ich wirklich so).

„Transport for Wales“ bringt einen recht flott die Nordküste von Wales entlang (wenn ich auch nicht weiß, wie der „Lok“führer seinen Job auf einem dreiviertel Quadratmeter ordentlich machen kann). Alsdann war das Schloss, welches schon fast 900 Jahre da steht, mein erster „Tagesordnungspunkt“ (da merkt man halt wieder den Gemeinderat heraus …). Fast 100 Fotos war es mir wert – eine kleine Auswahl davon möchte ich euch zeigen.

2 bis 3 Stunden dort zu verbringen ginge sich locker aus – ich hatte allerdings aus Fahrplangründen eine andere Zeitrechnung – außer-dem musste ich ja noch zum kleinsten Haus GBs. Vielleicht erinnert ihr auch noch ans vorige Jahr (Amersham), dort wird auch behauptet, sie hätten das kleinste Haus. Dieses da, in Conwy dürfte es aber wirklich sein, es steht nämlich im Guinness Book of World Records (zumindest hat die Dame am „Eingang“ das gesagt). Damit man ja nicht gratis hinein schauen kann (der Eintritt kostet stolze einen Pfund fünfzig), wurde wohlweislich ein Vorhang angebracht, den nur die Eintrittskarten-Dame beiseite schiebt, wenn man bezahlt hat!

Im Parterre gibt es einen offenen Kamin + Sitzbank, die Stiege nach oben ist mehr als abenteuerlich. Im ersten Stock angekommen, befindet sich dort eine Bettstatt und eine kleine Kommode mit Spiegel. Die Eintrittskarten-Dame wollte mir übrigens weismachen, dass ihre Vor- Vor- Vorfahren diese Haus um 1900 engl. Pfund gekauft hätten, deshalb müsse man jetzt einen Obolus verlangen. Gebaut wurde es allerdings schon im 16. Jhdt. und war bis nach 1900 durchgehend bewohnt.

Dann noch die Hängebrücke(n):

Das ist ja auch wieder so eine eigene Wissenschaft: Also, die mittlere Brücke war die erste, erbaut Anfang des 19. Jahrhunderts. Die diente bis 1960 dem Straßenverkehr. — Rechts davon die 1848 erbaute Eisenbahn-Röhrenbrücke. Diese Art wurde weltweit erstmals erbaut und ist heute auch die einzige, die es noch gibt. — 1958 wurde die mittlere Brücke für den Straßenverkehr gesperrt und eine zusätzliche, links davon errichtet. Und schließlich war auch diese Brücke zu wenig, um den Verkehr aufzunehmen und so senkte man 1991 eine vorgefertigte Röhre auf den Meeresgrund, auch wieder weltweit einzigartig. Zusammenfassend: Die linke Brücke dient dem lokalen Verkehr, in der Mitte dürfen nur Fußgänger drüber, rechts fahren die Züge durch und (nicht sichtbar) gibt es nun auch noch die Unterführung für den Durchzugsverkehr.

Zum Schluss noch einige Eindrücke aus dem Städtchen:

Wie schauts morgen aus? – Keine Ahnung, muss ich mir erst anschauen, was in der Früh der Wetterbericht meldet – wahrscheinlich gehts an eines meiner Wunschziele in Richtung Osten.

Da muss ich eigentlich schon einmal meine Kritik anbringen: In Spanien wars z. T. sehr kalt (Tiefstwerte bei -2 Grad), gestern hats im Großen und Ganzen gepasst, heute wiederum keine einzige Sonnensekunde! Ich glaube, morgen wieder in irgend eine Kirche sausen zu müssen …

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