25. April – der Nationalfeiertag!

Wenn ich heute bereits um 14:30 Uhr anfange zu schreiben, so hat das mehrere Gründe (habts eh schon gemerkt, Aufzählungen mag ich gerne, gell): Erstens ist das Wetter nicht gerade einladend, zweitens hätte ich gerne einen halben Tag in COIMBRA verbracht –

– nur leider, der Zug, mit dem ich dorthin fahren wollte, war voll ausgebucht und drittens: Siehe Überschrift!

So habe ich mich halt mehr oder weniger den Feierlichkeiten zum heutigen Nationalfeiertag gewidmet und von denen gab bzw. gibt es nicht gerade wenige! Bereits um halb 10 spielte vor dem Gemeindeamt (nur eine Minute von meinem Hotel entfernt – hier ein Blick von der Hotelterrasse) …

… die Musikkapelle auf – das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Als ich dann eine junge Musikantin*) fragte, was das um 10:00 Uhr wohl sei,

erklärte sie es mir in relativ gutem Englisch und verwies mich an eine weiter junge Dame*), die mich sofort einlud, nach oben in den Festsaal zu gehen. Im Vorraum angekommen empfing mich schon eine weitere – nobel gekleidete – junge Dame*), ihres Zeichens Organisationsleiterin aller Festlichkeiten. Auf meinen Einwand, wohl nicht festlich genug gekleidet zu sein, meinte sie, dass das kein Problem sei und wies mir sogleich einen Sitzplatz im Festsaal zu.

Ganz vorne die Mitglieder des Gemeinde/Stadtrates, dann viele Menschen auf reservierten Sitzplätzen und dann ICH – mehr brauchsch nimma! Viele der Besucher hatten – dem Anlass entsprechend – rote Nelken mit.

Aber auch sonst gab es (nach der Veranstaltung) Interessantes zu entdecken:

In der nächsten dreiviertel Stunde gab es als allererstes eine Gedenkminute für den verstorbenen Papst (deshalb auch die Fahnen auf Halbmast) daran anschließend erfolgten Ansprachen von ca. 8 Leuten, die ans Rednerpult geholt wurden. Jung und alt, z. T. mit Krawatte, z.T. so in MEINEM Stil gekleidet. Wie man mir später erklärte, waren dies die Ortsvorsitzenden aller in Portugal vertretenen Parteien. Verstanden habe ich in diesen 45 Minuten nichts, aber auch GAR nichts. Lediglich zwei Wörter konnte ich immer und immer wieder identifizieren: „Liberdade“ und „Democracia“ – immerhin! – Aber die portugiesische Sprache ist nun einmal wirklich etwas, an das man sich gewöhnen muss – macht euch selbst ein (Hör)Bild davon:

Anschließend an die eben erwähnte Veranstaltung fand im Erdgeschoß eine Diskussionsrunde statt, die ich mir aber mangels geeigneter Sprachkenntnisse sparte – „Bahnhof“ hatte ich an diesem Vormittag schon genug verstanden.

Sehr wohl aber wollte ich bei der Kranzniederlegung um viertel nach 12 dabei sein (passenderweise direkt am Bahnhof).

Nachdem ich ursprünglich ja eine Sitzplatzreservierung tätigen wollte, war ich schon früh genug dort. Der kleine Platz war menschenleer, lediglich ein älterer, gebrechlicher Herr hatte sich schon eingefunden. Verstanden hab ich zwar wieder einmal nix, er hat mir aber (anhand eines vergilbten Armee-Ausweises) „mit Händen und Füßen“ erklärt, dass er beim Militärputsch 1974 auch dabei war und froh ist, dass alles so gekommen ist, wie es ist. Auch wenn es an der Kommunikation gemangelt hat – eine sehr beeindruckende und berührende Begegnung!

So zwischendurch —— wenn mich meine Ohren nicht trügen, machen die Musiker schon wieder einen Soundcheck am Festplatz – was ich da so höre lässt mich vermuten, dass ich da heute abends um halb 10 wieder hin muss …

Sodala, jetzt, 6 Stunden später wirds Zeit, dass ich weiter mache. Meine Ohren haben mich nicht betrogen, die Musiker (dieses Mal 10 an der Zahl plus diverse Sängerinnen) machen einen super Sound, …

… und: Die rote Nelke darf heute natürlich nirgends fehlen:

Aber jetzt zurück zu der Veranstaltung um 12:15 Uhr: Kurz vorher marschierte alles auf: Der Bürgermeister mit seinem „Gefolge“, mehr oder weniger wichtige Personen (vermutlich) aus Pombal, die Musikkapelle (vom Gleichschritt haben die übrigens eher noch nicht viel gehört) usw.

Eine interessante Funktion hat der Kapellmeister inne: Er dirigiert lediglich die ersten paar und die letzten paar Takte eines Musikstückes. Den ganzen Rest steht er mit dem Rücken zu seiner Kapelle – gut trainiert würde ich sagen.

Dass dieser Herr und interessanterweise noch einige andere hier in Pombal einem gewissen amerikanischen Vize-Präsidenten ähnlich schauen – dafür können sie ja nichts!

Abschließend noch einige Eindrücke von der restlichen Zeremonie, die aus Reden, Kranzniederlegung und andächtigem Stehen bestand (und das Ganze natürlich unter strenger/freundlicher Aufsicht der Polizei). Stattgefunden – wie am ersten Foto ersichtlich – hat dieser Festakt am Denkmal eines Hauptmannes aus Pombal, der anscheinend eine wichtige Rolle beim (unblutigen) Putsch innegehabt hat.

Damit möchte ich meinen heutigen Blog beenden. Ist vlt. ein wenig lang geraten, aber wann hat man schon die Möglichkeit, am Nationalfeiertag den Feierlichkeiten beizuwohnen?

Die eine oder andere „Interessantigkeit“ aus Pombal werde ich euch noch in meinem morgigen Bericht wissen lassen, denn …. in einer halben Stunde geht das Konzert los! – Stay tuned!

FAST HÄTT ICHS VERGESSEN: Was bedeuten denn die komischen Zeichen *) die ich manchmal eingefügt habe? Nun ja wenn ich etwas wissen bzw. erfragen will, muss ich am ehesten junge Leute ansprechen, damit ich hie und da jemanden erwische, der/die zumindest EIN BISSCHEN Englisch kann …

Hinterlasse einen Kommentar