Ich such mir meine Reiseziele ja nicht durch blind-auf-die-Landkarte-tippen aus, sondern denk mir meistens was dabei. Die Altstadt von Evora als UNESCO-Weltkulturerbe ist eines solcher Ziele.
In dem Vororte-Bahnhof in Lissabon, von dem ich heute in der Früh gestartet bin, gings ja schon gut los: Für die Schnellzüge muss man zusätzlich zum INTERRAIL-Ticket noch eine Sitzreservierung buchen. Aber wie, wenn der Schalter geschlossen ist? – Hatte Glück, einen netten Schaffner zu erwischen, der sogar Englisch sprechen konnte und gemeint hat „that´s no problem“. Ganz im Gegenteil, er wies mir sogar einen besseren Platz zu, als den, wo ich mich niedergelassen hatte – in Fahrtrichtung und mit viel Fensterfläche. Zu sehen gabs zwar nicht viel, außer riesigen Korkeichenwäldern ist mir zumindest nix aufgefallen. Portugal produziert pro jahr 100.000 Tonnen Kork (=50 % der Welt-produktion). Bis zu 250 Jahre alt können Korkeichen werden, ab dem Alter von ca. 25 Jahren werden sie alle 9 – 12 Jahre geschält. Ein Baum kann es im Laufe seines Lebens auf ca. 700 kg Kork bringen.

Vom Bahnhof Evora zum Hotel gibt Herr/Frau Google 15 Minuten an – passt. Was aber NICHT passt ist der Umstand, dass es hier nirgends Asphalt gibt. Sowohl Straßen als auch Gehsteige sind mit Kopfsteinpflaster versehen – ABER WAS FÜR EINES!


Könnts ihr euch vorstellen, was das für die Rollen eines 20-kg-Koffers bedeutet? – Die tun mir echt leid! Den Weg ZUM Bahnhof am Mittwoch werde ich mit Sicherheit per Taxi zurücklegen.
Da mein Hotelzimmer noch nicht bezugsfertig war, machte ich mich auf eine erste Erkundungstour und schon bald begegnete ich einer Kirche (oder sie mir). Schaut zwar bei Gott (hihi) nicht aus wie eine Kirche, ist aber ein faszinierendes Beispiel für die Architektur des 15. Jahrhunderts.

Die Wandlung war gerade vorbei, als ich mich zur betenden Gemeinschaft dazu gesellte. Für unsere Verhältnisse unvorstellbar, wie bei denen der Friedensgruß nach dem Vater Unser ausartet: In eine unheimliche Schmuserei! Bussi zum Nachbarn, nach vorne, nach hinten und sogar über zwei Bänke hinweg. – Kommunion ausgeteilt wird nicht vorne, nein, die Priester gehen von Bankreihe zu Bankreihe. – Zum Mitsingen wird eine Leinwand herunter gelassen, auf der die Texte stehen – auch nicht schlecht! – Als ich nach der Messe einige Informationen haben wollte, konnte wieder einmal niemand Englisch. Aber – im hinteren Teil der Kirche haben sie für mich des Pfarrers Büro (das auch als Beichtstuhl dient) aufgesperrt und zumindest ein paar englisch geschriebene Zettelchen in die Hand gedrückt.


Sollte jemand von euch einmal Evora besuchen – um die Sonntagsmesse braucht man sich keine Gedanken machen. Von denen gibts immerhin 23!

Weiter, in die Altstadt. Ein unheimliches Gewirr von schmalen und schmalsten Straßen, kein Wunder, dass manchmal sogar ein Einweiser notwendig ist.



Dieses Hotel hat wahrhaftig auch schon bessere Zeiten gesehen …

… genau so wie diese Kirche, deren oberer Teil zwar recht passabel ausschaut, ein Blick zum Eingangsbereich sagt jedoch alles!


Nachdem heute ja Sonntag ist, habe ich auch mein Mittagessen standesgemäß eingenommen, nämlich in der Kantine der Kathedrale. Bitte fragts mich aber nicht, was das dann wirklich gewesen sein soll (irgendein Baaz mit Fleisch) …

Dafür war die Kathedrale (offiziell nennt sie sich „Kathedralbasilika“ – eines von beiden wäre ja zu wenig) selbst dann umso eindrucksvoller. Bereits im 12. Jht. erbaut, wurde der Kreuzgang ca. 150 Jahre später hinzugefügt. Die Bilder sprechen wieder einmal für sich …












Und dann – ja dann im Kreuzgang war mein Handy auf 0 % geschrumpft, weshalb ich auch hier abbrechen werde. Sogar portugiesischer Zeit ist es inzwischen schon Montag … wünsch euch eine schöne Woche (nicht vergessen: mit Feiertag!) … stay tuned!

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