psst, nicht weiter-sagen: SIDMOUTH – ein Geheimtipp!

So schnell kann aus einer ca. 5-stündig geplanten Tour eine insgesamt 10-stündige werden. Aber der Reihe nach:

Mit der GWR (Great Western Railway) ging’s in 40 Minuten von Exeter nach Exmouth (heißt übrigens so, weil dort der Fluss EXE ins Meer mündet). Die Züge auf dieser Strecke sind so ungefähr wie unsere Regionalzüge vor 20 Jahren waren.

Interessant allerdings: Auf dieser Strecke gibt es mehrere „request stops“. Wenn man an solch einem Bahnhof einsteigen will, muss man früh genug „wachteln“, damit der Triebwagenführer merkt, da muss ich jetzt stehenbleiben. Umgekehrt muss man es dem Schaffner früh genug sagen, wenn man aussteigen will – der meldet es dann per Funk an den Zugführer.

Die einstündige Busfahrt nach SIDMOUTH (richtig! – Da mündet Fluss SID ins Meer) war sehr abwechslungreich. Nicht nur, weil mir die ältere Dame neben mir ziemlich viel über die (gescheiterte) Ehe ihrer Tochter erzählt hat, sondern auch weil die Straßen, Landschaften und die Dörfer wieder einmal atemberaubend waren.

SIDMOUTH selbst ist mit ca. 13.000 Einwohnern jetzt noch problemlos in der Lage, die (vorwiegend älteren) Touristen aufzunehmen, im Sommer allerdings stößt dieser liebevolle Küstenort schon an seine Grenzen. Trotzdem hat man sich bisher standhaft geweigert, große Hotelklötze hinzustellen. Mehrere Hotels sind an die hundert oder mehr Jahre alt, haben sich jedoch den Charme aus früheren Zeiten bewahrt.

Der Strand von SIDMOUTH ist für unsere Verhältnisse etwas gewöhnungs-bedürftig, er besteht nämlich nicht aus Sand, sondern aus den sogenannten „pebbles“, was eigentlich „Kieselstein“ heißt. Von Kieselsteinen allerdings ist man da meilenweit entfernt … Dafür ist das an den Strand angrenzende Gebiet alles andere als langweilig. Rotfarbene Klippen und immer wieder Stiegen, auf denen man nach oben (bzw. unten) kommt. Zum Teil sind sie allerdings gesperrt, weil sie total versandet sind.

Sie lieben es, die Engländer (und natürlich auch die :innen): Ein winzig kleines Strandhüttchen – verschieden gefärbt, mit einem fortlaufenden Buchstaben versehen. Das kann man – nachdem man beim Council angesucht hat, für eine Saison pachten. Gerade einmal Platz genug um ein Tischchen und einen kleinen (Liege)Stuhl sowie ein bisschen Schnick-Schnack aufzubewahren. Kostenpunkt: Nicht gerade günstig – 1200 engl. Pfund (ca. € 1400.-) von Februar bis Oktober.

Ich trau mich’s ja fast nicht zu sagen, aber eine ganze Woche hat es gedauert, bis ich das große Vergnügen hatte, fish & chips zu essen und dazu noch ganz vorzügliche! In einem gemütlichen pub schmeckt’s halt einfach noch besser!

Geplant war, SIDMOUTH UM 12:10 oder 13:10 mit dem Bus wieder zu verlassen. Nachdem es aber hinter jeder Ecke erneut etwas Interessantes gibt, ist es schließlich 15:10 Uhr geworden. Dafür aber mit einem Doppeldecker zurück nach Exeter und das im Obergeschoß ganz vorne. Da braucht man gute Nerven. Ununterbrochen schlagen Äste der Hecken und Bäume gegen die Fenster und mit den Kanaldeckeln haben es die Briten auch nicht, die sind nämlich selten bündig. Das hat zur Folge, dass man jeden Moment glaubt, der ganze Bus bricht auseinander. Es klappert und hüpft, kracht und schüttelt in einer Tour. Kein Wunder bei diesen Straßen — da ist die Verbindung von Ötz nach Kühtai geradezu eine Autobahn dagegen! Aber ein Abenteuer ist es allemal.

Zurück in Exeter bin ich dann eigentlich durch Zufall in die Abschiedsmesse des in Pension gegangenen Erzdekans der Diözese Devon geraten – war sehr beeindruckend. Dass die Frau und die Tochte des in Pension gegangenen die erste bzw. zweite Lesung vorgetragen haben ist für uns ja kaum zu glauben – aber vielleicht würden verheiratete Priester den Mangel in diesem Berufsstand zumindest ein wenig lindern, wer weiß??? (Bitte jetzt nicht gleich sagen, „der Holaus der spinnt“, ich meine das nämlich ernsthaft!) — Sie sind halt einfach sooo lustig, die Engländers – dass die Kathedrale ein eignes „Saufomobil“ betreibt und dieses sogar noch im Gotteshaus herumsteht hat sogar mich überrascht – die spinnen wirklich, die Engländers (positiv gemeint)!!!

Noch ein kurzer Nachtrag zu gestern: Das Läut-Training wurde im Hinblick auf die Krönung von Charles III durchgeführt, da läuten nämlich in ganz Groß-britannien alle Glocken. Und es stimmt wirklich: Die haben kein eletrisches Läutwerk – alles wird unter größtem Einsatz der körperlichen Kräfte hoch oben am Kirchengewölbe bewältigt.

Eine Antwort zu „psst, nicht weiter-sagen: SIDMOUTH – ein Geheimtipp!”.

  1. Avatar von Elisabeth Heinz
    Elisabeth Heinz

    Hallo Reinhard so schön die Bilder und vorallem die bunten Steine vielleicht findest einen für mich als alte Steinliebhaberin an irgend einem Strand …weiterhin schöne erlebnisreiche Tag und Respekt wie viel Schritte du täglich machst ….Lg auch von Jakob Hannah und Martin 😁

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