CLOVELLY – der Wahnsinn!

Wenn alles noch schläft und frühmorgens die Nebel übers Land ziehen, ist einer schon unterwegs: Der Holaus

Tagwache: 05:45 Uhr – keine Zeit fürs Frühstück – Fußmarsch zum Bahnhof – der Zug nach Barnstaple fährt nämlich kurz nach 7 ab …

Leider war der heutige Tag wettermäßig der bisher schlechteste. Immer wieder hat es ziemlich stark geregnet, was sich leider auch auf die Fotos niederschlägt. Schade, sehr schade, denn Clovelly ist wirklich der Hammer! Dazu aber später!

Die englischen Nahverkehrszüge schauen aus, als ob man sie vorne (und hinten) abgeschnitten hätte, sie erfüllen trotzdem recht gut ihren Zweck. Auch auf der heute von mir befahrenen Strecke gibt es einige „request stops“ – der Zugführer fährt halt langsam auf den Bahnhof zu und hält Ausschau, ob jemand wachtelt um im Falle eines Falles anhalten zu können. – Aber jetzt kommt’s: An zwei Stellen auf dieser Strecke muss der Zugführer stehen bleiben, um den Schranken herunterzulassen, erst dann darf die Fahrt fortgesetzt werden – unglaublich, aber wahr!

Die anschließende Busfahrt von Barnstaple nach Clovelly war auch wieder ein eigenes Kapitel. Kleine Dörfer, die da angefahren werden, gibt es bei uns in dieser Art schon lange nicht mehr. Die Straßen dorthin sind z. T. einspurig (im wahrsten Sinne des Wortes) und es gibt nur sehr wenig Verkehr. Man könnte fast behaupten, die wenigen Busse, die da pro Tag fahren, sind eine Art Lebensader für dieses Gebiet an der Nordküste Cornwalls. – Zum Thema Busfahrer: Muss hier ein angenehmer Job sein, denn fast zu 100 % bleiben entgegenkommende Autofahrer von sich aus stehen, um dem Bus Vorfahrt zu gewähren. Und noch was: Jede Person, wirklich jede, die aussteigt, sagt im Vorbeigehen zum Fahrer „Thank you“ – und diese Freundlichkeit wird auch erwidert – einfach nett!

Und dann: CLOVELLY, ein Fischerdorf mit wenigen hundert Einwohnern, an einen steilen Abhang geschmiegt. Los geht‘ einmal schon damit, dass man Eintritt bezahlen muss (!!!), um überhaupt ins Dorf gehen zu dürfen. Die 800 m lange High Street (die Bezeichnung wollen sich die Einwohner halt doch gönnen) führt vom Visitor Centre und Parkplatz hinunter bis zum Hafen. Die Wege und Gassen sind mit Steinen gepflastert, es ist teilweise extrem steil und alle Waren, Baustoffe usw. können nur mit Schlitten zum gewünschten Platz gebracht werden. Im gesamten Dorf gibt es keine Autos. Dafür spürt man umso intensiver auf Schritt und Tritt die Geschichte, die jahrhundertelang diesen wunderbaren Flecken Erde geprägt hat. So wurde z. B. die Hafenmauer schon im Jahre 1450 erbaut! Wie in der heutigen Überschrift schon erwähnt: Es ist der reine Wahnsinn, wieviel Schönheit da auf einen einwirkt, es ist ein Wahnsinn, was die Menschen damals auf sich genommen haben, um Wege sowie Häuser usw. zu errichten. – Bilder sagen mehr als 1000 Worte:

Eines kann ich (als NICHTflieger) mit Sicherheit jetzt schon sagen: Für mich ist diese Interrail-Reise eine „once-in-a-lifetime-journey“. Jeder Tag bringt Neues, Aufregendes, Abenteuerliches und Unglaubliches …

Zurück in Exeter habe ich endlich gefunden, wonach ich schon tagelang verzweifelt gesucht habe: Sie ist schlank und einzigartig, dunkel und schwer zu finden – die lt. Einheimischen schmalste Straße der Welt. Dass die dann auch noch „Parliament Street“ heißt schlägt wohl dem Fass den Boden aus.

Zum Abschluss noch etwas typisch Englisches: Um die Anzahl von Verkehrszeichen gering zu halten, sind diverse Markierungen auf der Straße angebracht. So bedeutet eine doppelte gelbe Linie absolutes Halte- und Parkverbot. Derart muss man natürlich auch eine Straße kennzeichnen, die grad und grad breit genug für ein einziges Auto ist — die Wiener würden sagen: „Vurschrift ist Vurschrift“ …

Übrigens: Wer die „Polarsteps“-App auf dem Handy installiert hat, kann meine Reise zusätzlich auf der Landkarte mitverfolgen …

5 Antworten zu „CLOVELLY – der Wahnsinn!”.

  1. Unbelievable! Take care!

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  2. Toller Bericht!
    Die Gegend hätte ich auch immer schon mal gerne besucht, aber wenn man alle Träume erfüllt, dann hat man keine mehr und das ist auch nicht gut.
    Weiterhin gute Reise!
    LG Peter

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    1. Hallo Peter,
      hab Deinen Kommentar erst heute gelesen – sorry! – Ja, diese Gegend ist wirklich wunderschön, ich kann mir gut ausmalen, WIE schön, wenn ich das statt Dauerregen wirklich schönes Wetter gehabt hätte …

      Gruß

      Reinhard

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  3. Vielleicht geht sichs aus, dass du noch einmal bei Schönwetter hinfärst. Hoffentlich hast du heute mit dem Wetter mehr Glück, sonst gibt´s halt einmal einen Ruhetag. Bei uns schüttet es heute seit früh in der Früh. Liebe Grüße und einen feinen Tag! E.

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