Vorab einmal: Heute war ich gar 13 Stunden unterwegs, für die Gesundheit war’s auch nicht schlecht, denn zum dritten Mal während meines UK-trips habe ich die 20.000-er Marke bei den Schritten durchbrochen …
Aber der Reihe nach: Abfahrt von Blackpool in Richtung Preston, von Preston nach Crewe. Vermutlich habe ich die Bahn vorgestern zu viel gelobt, denn der dritte Abschnitt (Crewe nach Shrewsbury) verzögerte sich … und wieder … und wieder, bis eine 60-minütige Verspätung draus wurde. Das bedeutete, dass ich meinen letzten Anschlusszug von Shrewsbury nach WELSHPOOL nicht mehr erreichen konnte. Was tun, wenn der nächste Zug auf dieser eingleisigen Strecke erst in zwei Stunden abfährt?
Also fragte ich das Bahnpersonal, ob es Busse nach Welshpool gibt, was verneint wurde. Aber: Ich sollte doch den Bediensteten beim „Customer Service“ fragen. Gesagt – getan, 10 Minuten später haben die mich ein ein Taxi verfrachtet, das mich in 45-minütiger Fahrt in das ca. 30 km entfernte Ziel meiner Begierde gebracht hat. Und wer hat’s bezahlt? – Richtig: „Transport for Wales“ – Also, wenn das kein Service ist, dann weiß ich auch nicht mehr!
Vom Bahnhof Welshpool spazierte ich in Richtung Stadt und kam an einem kleinen Busbahnhof vorbei. Ein einziger Bus stand zur Abfahrt bereit und ich fragte den Fahrer, ob es Busse in Richtung POWIS CASTLE gäbe. Er meinte: „Hop onto the bus quickly, I´ll show you.“ Der nahm mich mit seinem Linienbus doch glatt ca. einen Kilometer weit mit (Geld wollte auch der keines), blieb irgendwo stehen und meinte, ich müsste diesen Weg ca. 45 Minuten entlang zum castle gehen … ließ mich aussteigen und weg war er mit seinem Bus. Glaubt ihr, dass diese beiden Begebenheiten auch bei uns möglich wären???
Jedenfalls machte ich mich auf den Weg in Richtung castle und bemerkte bei der Hälfte des Weges, dass sich das alles nicht mehr ausgehen würde, da ich die Rückfahrt nach Blackpool um ca. 14:00 Uhr geplant hatte. O. K., machma halt ein Foto aus der Ferne und drehen um.

Nach 10 Minuten Retourweg allerdings kam der alte (im wahrsten Sinne des Wortes) Interrailer zum Vorschein und dachte sich: “ Geh, le.. mich doch, ich fahr halt mit dem übernächsten Zug retour, auch egal“. Gesagt – getan, ich bin wieder umgekehrt, um doch noch zum Schloss hinauf zu gehen und es besichtigen zu können. Ich kann nur sagen, ich habe es nicht bereut!
Es ist beinahe unglaublich, aber dieses Powis Castle, so wie es da steht, wurde im 13. Jhd. erbaut und ist heute noch in Familienbesitz. Allerdings hat es der „National Trust“ (eine Organisation, die sich um erhaltungswürdige Gebäude, Gärten usw. kümmert) in seine Treuhandschaft übernommen. Ratet einmal, wer der Präsident dieser Vereinigung ist – richtig: Der, der übermorgen gekrönt wird.



Wer sich für das Innere solch altehrwürdiger Gebäude interessiert, ist hier am richtigen Platz – auf Schritt und Tritt kann man erahnen, wie die Schlossherren früher gelebt, gefeiert und geliebt haben müssen.



Letzten Endes habe ich mich dann zwei Stunden bei diesem „Red Castle“, wie es von den Einheimischen aufgrund der Baumaterialien genannt wird, aufgehalten. Ich bin alles eher als ein „Obergärtner“, aber die Anlagen, die haben mich unheimlich fasziniert. Ganz egal, ob es die jahrhundertealten Bäume sind, die super geschnittenen Hecken oder einfach das gesamte Drumherum.






Auch wenn ich Lust gehabt hätte, länger zu bleiben (die haben übrigens einen traumhaften „Jacket Potato“ gehabt),

ich musste aus Zeitgründen los. Wäre ich doch nur 2 Sekunden früher oder später gegangen!!! So aber (bitte um Entschuldigung, aber das passt jetzt nicht gerade zum JP) bekam ich einen gewaltigen Vogelsch… ab – es muss wahrlich ein großer Vogel gewesen sein … Aber Glück im Unglück – es hätte anstatt meiner Jacke auch mein schütter behaartes Haupt treffen können, vielleicht als Haarwuchsmittel geeignet?
Jedenfalls eilte sogleich ein etwas älterer Mann herbei und wollte mich anscheinend beruhigen, denn er meinte mit typisch englisch-trockenem Humor: „Ich lache jetzt nicht, denn ein altes Sprichwort besagt, wer als Erster lacht, dem passiert das gleiche und das ist mir bei einer Beerdigung einmal passiert.“ Ha-ha, ich hätte mich doch glatt biegen können vor Lachen, aber dann wären halt noch größere Teile meiner Jacke mit Vogelsch… verziert gewesen. Zudem meinte dieser Engländer noch: „That brings luck!“ – Aber dazu muss ich sagen, dass ich dieses Glück schon seit 1994 habe. — Vielleicht hat dieser Herr aber doch irgendwie Recht gehabt, denn dieses Viech hat doch glatt den Ausgang versperrt und ich bin trotzdem unversehrt vorbeigekommen – aber wir sind ja nicht auf einer Tiroler Alm …

Eine liebe Dame versorgte mich jedenfalls mit jeder Menge feuchten Tüchern (jetzt weiß ich endlich, warum die eigentlich ‚feuchte Toilettentücher‚ heißen), sodass die chemische Reinigung so halbwegs funktionierte. – Weils gerade dazu passt: Auf meiner Weg zur Unterkunft in Blackpool wurde ich zu allem Überfluss noch – bei einer Ampel wartend – von einem vorbeifahrenden Auto von oben bis unten vollgespritzt.
Trotz allem: Es war ein sehr beeindruckender Tag, den ich keinesfalls missen möchte und – – – erinnert euch an meinen gestrigen Blog, wo ich am Ende geschrieben habe: „Aber wenn der Tag so ausklingt, …..“. – Statt des Fotos vom Sonnenuntergang müsste halt ein Regen-Foto eingefügt werden …
Übrigens: Morgen gibts wieder einen Tapetenwechsel – ich werde für 4 Tage nach AYLESBURY übersiedeln – da kenn ich mich ein bisschen aus, habe mich immerhin schon mehr als 70 Mal (jeweils für eine Woche) mit Schülergruppen dort aufgehalten …
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