2 Steirer und ein ranghoher Politiker

Wie das Leben grad so spielt … setze ich mich im Zug nach London nieder und denke mir, die beiden Herren schräg links und schräg rechts mir gegenüber schauen eigentlich nicht aus wie so typische Eingeborene. Und wie recht ich hatte – auch die beiden Steirer hatten bzw. haben offensichtlich nichts anderes zu tun, als per Interrail herumzukurven.. Sie sind beide knapp über 60 und haben jahrzehntelang bei der „Graz-Köflacher-Bahn“ gearbeitet. Sie waren eine Woche in Marokko, eine jetzt in Großbritannien und werden noch eine weitere Woche in Italien verbringen.

Aber dann kam’s noch viel interessanter: Ich bin ja leidenschaftlicher Gemeindepolitiker, auch die Landes- und Bundespolitik ist etwas, das ich sehr interessiert mitverfolge.

Darüber hinaus bin ich auch ziemlich am Laufenden, was in Großbritannien so abgeht, ziemlich oft verfolge ich deshalb auch die Parlamentsdebatten im englischen Unterhaus (House of Commons) mit. Als Gegenstück zum österr. Parlamentspräsidenten Sobotka (… kein Kommentar!) haben die hier herüben den sog. „Speaker“, der die Debatten leitet und den die Parlamentarier ohne Ausnahme ansprechen. Bei keiner Wortmeldung wird ein Mitglied des House of Commons persönlich angesprochen, sondern es heißt z. B.: „Mr. Speaker, der ehrenwerte Herr/die ehrenwerte Dame hat (es wird nie ein Name genannt) gemeint …. – Könnte er/sie das ein wenig näher erläutern?“

Jedenfalls denke ich mir im Zug: Herrgott nochmal, da ist doch gerade der Speaker des House of Commons vorbeigegangen. Schon ca. 20 Minuten vor der Ankunft in London stand zusätzlich so ein Security-Typ zwischen den beiden Verbindungstüren. Den habe ich (als Provinzbanause) angesprochen, der hat aber so getan, als ob er nicht bis 3 zählen könnte. Dann war es mir klar: Das musste dieser Sir Lindsay Hoyle sein.

Natürlich wird meinen geneigten Lesern dieser Mensch nicht viel sagen, aber dem höchsten Vertreter des britischen Parlaments läuft man ja nicht alle Tage über den Weg. Sodann dachte ich mir: „O. K., den red‘ ich jetzt einfach an, erzähl‘ dem wer ich bin (Reinhard from Austria – wird ihm zwar eher nix sagen) und ob ich ein Foto mit ihm machen darf. ‚Nein‘ sagen kann er immer noch bzw. der Security-Mann hat eh alles im Auge und mehr wie wegschupfen kann er mich ja auch nicht.“

Bin dann glatt 3 Sitzreihen weiter gegangen und hab ihn beinhart angesprochen: „Hello, Sir“ – weiter siehe oben. Hat der doch glatt sofort zugestimmt und gemeint: „Yes, sure“ und ehe ich mich versah hat schon die Servicecrew angeboten, ein Foto zu machen.

Ich muss sagen, netter Bursch dieser Hoyle – hat mir sogar beim Aussteigen noch „Have a nice day“ zugerufen … war eine nette Begegnung!

Nach London stand noch die einstündige Fahrt von der Marylebone Station nach Aylesbury auf dem Programm. Zum Glück hat der starke Regen erst angefangen, als ich nach 15-minütigem Furßmarsch meine Unterkunft erreicht hatte, bald danach kam aber – eh scho wissen – die Sonne heraus.

Werde heute am Abend ein paar Bekannte im „Victoria Club“ treffen, in dem ich seit dem Jahre 2000 Mitglied sein darf (über die Bestimmungen, Mitglied werden zu dürfen, erzähl‘ ich euch – eh klar – ein ander Mal).

Der bald dritte Charles hat gemeint, es sei ihm gleichgültig, wenn ich morgen nicht bei seiner Feier dabei sein werde, also habe ich mich entschieden, der walisische Hauptstadt Cardiff einen Besuch abzustatten.

Wünsche euch ein schönes weekend!

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