29. + 30. Mai: Adeus ALGARVE, olá LISSABON

5 wunderschöne Tage an der Algarve gingen leider Gottes viel zu schnell vorbei – vorerest möchte ich aber noch einen Nachtrag zum Sonntag machen: Bevor wir in die Serra de Monchique fuhren, nahmen wir an einer einstündigen Bootsfahrt entlang der wunderschönen Küste teil. Einige Eindrücke davon möchte ich euch nicht vorenthalten:

So, jetzt aber zurück zum Montag, an dem es leider hieß, Abschied zu nehmen von dieser Küste wie sie wohl einzigartig in Europa ist. Ungefähr 260 Kilometer beträgt die Strecke von Armacao de Pera bis Lissabon. Zwei Drittel davon befuhren wir auf der Autobahn, den Rest auf einer „Bundesstraße“. Und diese 90 Kilometer waren bemerkenswert: So ca. auf der Hälfte dieses Abschnitts gab es links und rechts neben der Straße hunderte Storchennester zu bewundern. Es grenzt an ein Wunder, wie kunstvoll diese Tiere ihre riesigen Nester so anlegen, dass mehrere Exemplare in einem Nest Platz finden und das Ganze offenbar auch noch Wind und Wetter standhält.

Eine meiner Vorlieben ist es, in kleine Dörfer zu fahren, um mich ein bisschen umzusehen. Gesagt – getan, was uns da aber erwartete, war irgendwie fast schon unheimlich. Die Dörfer waren beinahe menschenleer, bei drei Abfahrten von der Bundesstraße sichteten wir insgesamt vielleicht 6 oder 7 Leute. Einer davon war ein netter Ladenbesitzer, der uns sein Geschäft aufsperrte, als er sah, dass wir an der Türe „rüttelten“ – das alles für zwei Flaschen Mineral und ein paar Kekse.

Ansonsten wie gesagt, fast menschenleer. Vielleicht haben sich die Bewohner auch versteckt, denn Touristen haben die in ihrem Leben ganz sicher noch nie zu Gesicht bekommen. Die Bauweise der Häuser ist immer die gleiche: Ohne Obergeschoß, recht lieblich „eingefärbt“ und mehr oder weniger direkt an der Straße. Zwischendurch aber auch immer wieder total verfallene Gebäude, die mit Sicherheit schon viele Jahre so dort stehen.

Und weil es gar so nett ausgeschaut hat: In einem dieser kleinen Dörfer gab es einen Fußballplatz (eher eine mit kleinen verdorrten Grasbüscheln bewachsene Wüste), davor das Häuschen, an dem Eintritt kassiert wird – streng getrennt nach Vereinsmitgliedern und Nichtmitgliedern. An der gegenüberliegenden Straßenseite ein frisch getünchtes Buswartehäuschen …

Auch typisch Portugal: Die Fliesen – auch in winzigen Dörfern zu finden …

Nun aber: LISSABON, die westlichste Hauptstadt des europäischen Festlandes. Die Stadt selbst hat ca. 600.000 Einwohner, mit Vororten ca. 2,3 Mio. So zumindest die Ansage am „Hop On – Hop Off“ Bus, der eine gute Möglichkeit bietet, sich einen groben Überblick zu verschaffen. Was schon bei unserer Ankunft mit dem Leihauto aufgefallen ist: Der Verkehr, gekennzeichnet nicht nur von seiner Intensität, sondern ganz besonders auch von den unzähligen Motorrädern, Vespas usw., die sich überall durchschlängeln. Vor einem, hinter einem, dann wieder rechts oder links – fast schon eine Plage, ohne andauerndes Spiegel-Schauen geht da gar nix.

Ansonsten aber ist diese Stadt so etwas von schön, wenn man (so wie überall sonst auch) die Bausünden, sprich unheimlich hohe, nichtssagende Gebäude außer Acht lässt. Überall in Lissabon wird gebaut, renoviert und modernisiert. Viele Häuser sind leerstehend, erkennbar an zugemauerten Fenstern und Türen und den angebrachten Graffitis. Es gibt wunderschöne Prachtstraßen, gesäumt von Bäumen und Geschäften bzw. Restaurants. Daneben wieder unheimlich schmale Gassen – selten etwas davon „eben“ denn Lissabon ist ja auf mehreren Hügeln erbaut.

Zwei Sehenswürdigkeiten, die es uns besonders angetan haben: Der TORRE DE BELEM und das SEEFAHRERDENKMAL.

Der Torre wurde zur Glanzzeit der portugiesischen Seefahrt errichtet und steht seit 500 Jahren an dieser Stelle. Er ist eines der wenigen Gebäude, welches beim fürchterlichen Erdbeben 1755 nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Ganz anders das Seefahrer- bzw. Entdeckerdenkmal. Dieses wurde erst im Jahre 1960 errichtet. Es zeigt 33 Persönlichkeiten aus der portugiesischen Geschichte die alle hinaus aufs Meer bzw. auf die Mündung des Tejo blicken. – Heutzutage natürlich umstritten, weil es an die Kolonialzeit erinnert. – – – Meine ganz persönliche Meinung dazu: Die Geschichte soll und darf man nicht vergessen, auch die schlimmen Facetten nicht. Ob es einer vernünftigen Aufarbeitung jedoch dienlich ist, Straßenschilder, Denkmäler usw. einfach zu entfernen, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. – Sodala, jetzt bin ich das auch endlich einmal los geworden!

Erwähnt werden muss natürlich auch die „Brücke des 25. April“, über die wir schließlich auf unserer Fahrt nach Lissabon auch drüber gefahren sind. Dieses imposante Bauwerk wurde 1966 eröffnet und ist mehr als 3 km lang, die Fahrbahn schwebt in einer Höhe von 70 Metern. Zwischenzeitlich wurde die Straße auf insges. 6 Spuren erweitert zudem wurde unterhalb der Fahrbahnen eine zweigleisige Bahnstrecke angebaut. Die Brücke war ursprünglich nach dem damaligen portug. Premierminister benannt, nach der „Nelkenrevolution“ (25. April 1974 – Übergang von der Dikatatur zur Demokratie) aber umbenannt.

Eine Antwort zu „29. + 30. Mai: Adeus ALGARVE, olá LISSABON”.

  1. Avatar von Josef Tabernig
    Josef Tabernig

    Lieber Reinhard, du bist einfach unübertroffen. Du musst unbedingt Reiseführer entwerfen und publizieren. Einfach grandios. Lasst es euch weiterhin gut gehen. Liebe Grüße auch an Daniela.

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