Ich habs mir unbedingt eingebildet, CASTLE COMBE zu sehen, ohne Wenn und Aber. Dass vom Bahnhof Chippenham an Sonntagen kein Bus dorthin fährt, war mir wohl bewusst. Aber trotzdem: Um 9 Uhr bin ich schon am Bahnhof in Ch. gestanden und wirklich – auch auf dem Fahrplanaushang hieß es: „No Sunday service“. – So Holaus, jetzt stehn ma da und können gscheid sein … „Bolt“ fährt nicht, „Free Now“ fährt nicht – zum guten Glück aber der „Uber“. Anders gings halt nicht. So weit, so gut. Der Fahrer ein Türke (hier in GB von 100 vielleicht einer). Die fast 20 Minuten auf z. T. einspurigen Straßen vergingen recht schnell, denn der wusste alles über Schwarzenegger, Krankl und sogar Herbert von Karajan … Sympathischer Bursche dachte ich mir – aber nur bis 11 Uhr. Da hatten wir nämlich ausgemacht, dass er mich wieder abholen würde. Die Betonung liegt auf „würde“, denn wer nicht kam, war er! Der Hundling hat mich glatt versetzt.
Schon vorher machte ich einen Spaziergang durch dieses zauberhafte Dörfchen. Ganze 350 Menschen wohnen da – aber seht selbst:










Ich kann nur sagen: So etwas muss man gesehen haben, sonst glaubt man nicht, dass es das im 21. Jhdt. noch gibt. Das ganze Dorf eine Einheit, alles picobello beisammen. Ich hatte das Glück, früh genug dran zu sein, die Touristenschwärme fielen erst ein paar Stunden später ein. Da war ich aber schon woanders:
Nachdem der Taxler auch um 20 nach 11 noch nicht aufgetaucht war, ging ich die 30 Schritte zur Kirche, weil heute (übrigens nur 2 x im Monat) eine Messe am Programm stand. Wie überall in britischen Kirchen wird man sofort willkommen geheißen, eine Lady hat mir ein Singbuch und einen Gebetszettel in die Hand gedrückt. Aber hier scheint ja das „Apres- oder After-holy communion“ fast wichtiger zu sein, als die Messe selbst. Ich wurde gleich gefragt, ob ich Tee oder Kaffee möchte, Kekse wurden gereicht und das Ganze mitten in der Kirche. Natürlich wollte man auch gleich wissen, wo ich her sei usw. und ich erzählte halt, dass es in C. C. wunderschön ist und ich noch nicht genau wüsste, wie ich wieder zum Bahnhof zurückkommen würde.

Auch mit dem Pfarrer hatte ich eine recht nette Diskussion, der hat nämlich in den 70-er Jahren seine Flitterwochen in Serfaus verbracht. Er hat es übrigens auch nicht leicht, muss er doch insgesamt 10 Pfarreien betreuen.
Unterbrochen wurde unser Gespräch, als eine Dame mit einem gewissen „Mike“ daherkam und meinte, der würde mich zum Bahnhof führen. Ich war zuerst ein wenig verdattert, aber dem Mike war glatt Ernst. Er war einer der Freiwilligen, die sich für die Kirche verantwortlich fühlen und sagte, dass jetzt gleich noch eine Taufe stattfinden würde, danach könnten wir fahren. Und solche Dinge kenne ich seit den 70-er Jahren – einer der Gründe, warum ich dieses Land so schätze.
So durfte ich dann bei einer Taufe auch noch dabei sein – da kam wieder ein anderer – „höherer“ – Priester und das war irgendwie recht lustig. Die kleine Florence war recht aufgeweckt, kein Wunder, es war ja auch der Hund der Familie dabei …



Ja, und dann bat mich Mike in sein Auto – auf der Fahrt erfuhr ich noch einige interessante Dinge: Er ist Besitzer des einzigen Pubs und eines Hotels in C. C., seine Frau verkauft an der Haustüre „Picknick to go“ im Original. – – Ich wollte von ihm wissen, warum man bei den Fürbitten für einen Fußgänger gebetet hat, der von einem Auto angefahren worden war. Dann kam die Jahrhundert-geschichte: Es war am Mittwoch vergangener Woche, 6 Uhr früh (!!!), als eine amerikanische Touristin mit einem nigelnagelneuen Leihwagen einen Mann streifte, der die Straße überqueren wollte. Sie geriet offensichtlich in Panik, verwechselte die Pedale, raste durch das geschlossene Gitter in Richtung Kirche, daran vorbei und kam – nachdem sie einige Grabsteine umgemäht hatte – an einem Baum hinter der Kirche zu stehen.

Das war natürlich eine „once-in-a-lifetime“-Geschichte, ein Wahnsinn, ein Skandal! Das Dorf hat sich zwischenzeitlich wieder beruhigt, wir waren am Bahnhof angelangt und ich um ein paar Infos reicher.
15 Minuten dauerte die Bahnfahrt in eine andere Welt: BATH, eine Stadt mit fast 100.000 Einwohnern und geschätzt eben so vielen Touristen. B. hat eine lange, lange Geschichte da die Römer ab dem Jahre 43 n. Chr. hier Badeanlagen errichteten, die man heute noch besichtigen kann (wenn man – so wie heute am Sonntag – umgerechnet 33 Euro hinblättert). Aber auch sonst ist B. sehenswert:









Mein letzter Sonntag im Vereinigten Königreich und da habe ich mir abends das wahrscheinlich typischste aller englischen Gerichte gegönnt: Ein „Sunday Roast“ – gut, besser, am besten:

Fangen wir um „9 Uhr“ an und gehen im Uhrzeigersinn weiter: Kren-Sauce, Rindfleisch, Kartoffelpüree, Gemüse, Yorkshire Pudding (aus neutralem Teig gebacken), Salbei-Zwiebel-Garnierung, Röstkartoffel und dann noch viel Sauce (wurde in einem eigenen Becher serviert). Bleiben wir beim „ö“: köööööstlich!
Noch ein Hinweis: Ich habe aufgehört, ein „K“ für „anklicken“ zu verwenden. Mir wurde nämlich gesagt, dass das leider nicht immer so funktioniert, wie es funktionieren sollte. – Ihr müsst halt einfach ausprobieren – danke!
Sou, inaff vor tudei – I äm taiad änd want sleep go!

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